Ich bin mehrsprachig!

Im Mai hatte ich mehrmals Gelegenheit meine Beobachter-Position zu wechseln. Nicht immer hatte ich einen Thron, so wie im Ferienhaus meiner Freundin in der Provence (siehe Foto – steht mir aber gut, diese Position, oder? Ich überlege schon, wie ich so einen Thron auch zu Hause durchsetzen könnte).

Manches Mal habe ich auch versteckt unter dem Coaching-Tisch oder hinter einem Flipchart in einem Seminarraum beobachtet und zugehört.  Und es war lehrreich.

Sagt zB. ein  g’standener Innviertler: „Da brauchst di net rantn“, kann das ungefähr das gleiche heißen wie „das interessiert mich für keine 5 Pfennige“ (O-Ton meines aE = mein angeblich Erziehungsberechtigter, der ja deutscher Zunge ist).  Es könnte aber auch heißen: „ich kümmere mich darum und melde mich dann“.  Ein Satz aus meist weiblichem Mund, der beim Gegenüber richtig gut ankommt.  Sagt die gleiche Person aber „passt scho“ ruft das beim einen ein „ja was hat’s denn heut’, was hab ich denn angestellt?“ und beim anderen „wunderbar, dann ist ja alles in Ordnung“ hervor. Viel Interpretationsraum also und das bei angeblich „gleicher“ Sprache. Die Auswirkungen daraus bekomme ich dann meist in den Konfliktlösungsgesprächen mit, wo ich dann diskret im Hintergrund liege. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jetzt war ich doch eine Woche in der Provence.  Französische Sprache, englische Übersetzungen, deutsche Interpretationen: alles war da. Und irgendwie hat’s bei den Menschen dann auch – mehr oder weniger – geklappt, sich zu verstehen, wenn’s auch manchmal ein wenig stressig gewirkt hat.

Nur ich, ich war relaxed. Denn meine Sprache hat immer gewirkt. Ein Schwanzwedeln, ein treuer Blick aus schwarzen Knopfaugen, ein leicht genervtes Vorsichtsknurren und als absolut sicherste Kombination: ein leichtes Antappen mit der Pfote und der Blick leicht von unten à Leckerli, Streicheleinheiten und der Platz an der Sonne waren gesichert. Also: ich bin mehrsprachig, denn die Französinnen und Anderssprachige, die ich nicht zuordnen konnte, haben mich sofort verstanden, meine Wünsche wurden erfüllt.  Und  ich versteh jetzt auch immer mehr, warum meine aE in ihren Seminaren so oft über  die Vielschichtigkeit der Kommunikation spricht und darüber, die eigenen Interpretationen zu überprüfen.

 

Denn leider seid ihr Menschen nicht so mehrsprachig wie ich, da bin ich halt eindeutig im Vorteil, gell.

 

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